Glasfaserverbindung für unterversorgte Haushalte gestartet

Spatenstich für das Weiße-Flecken-Programm

31.08.2020

Ruckeliges Internet, Streaming-Dienste, die ausfallen, abgeschnitten sein im Home Office, weil das Internet mal wieder nicht läuft: Was den Bürger nervt, ist für die Wirtschaft ein echtes Wachstumshindernis. Im Kreis Paderborn und damit auch in Hövelhof kommt das Turbointernet für alle unterversorgten Adressen. In den nächsten drei Jahren sollen alle so genannten weißen Flecken, das sind Adressen mit einer Versorgung von unter 30 Mbit/s, verschwinden.


Davon profitieren im Kreis Paderborn 2.331 private Adressen, 14 Schulen und 18 Unternehmen im so genannten Cluster West, sowie 1028 private Adressen, 31 Schulen, 37 Unternehmen und 8 Krankenhäuser im Cluster Ost des Kreisgebietes. Investiert werden rund 71 Mio € in den flächendeckenden Glasfaserausbau. „Das ist ein Meilenstein für unsere Infrastruktur, von der die Bürgerinnen und Bürger profitieren“, sagte Paderborns Landrat Manfred Müller beim Spatenstich, der den Ausbau offiziell einleitet. Der Landrat lobte den Schulterschluss mit den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden und das Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort, das dieses Vorhaben beflügele. Nach dem Ausbau im eigenwirtschaftlichen und geförderten Rahmen sei eine Glasfaserquote von 50 % erreicht, während bundesweit die Quote bei 11,8 % liege. „Der heutige Tag ist ein zukunftsweisendes Signal und starkes Argument für den Wirtschafts- und Wohnstandort Kreis Paderborn“, bekräftigt der Landrat. Die Infrastruktur einer Region, ihre Erreichbarkeit über Straßen und Schienen, entschieden stets über ihren Erfolg. In diesen Tagen sind es die Datenautobahnen die wichtig sind für Wachstum und Effizienz. Ohne schnelles Internet können die Chancen der Digitalisierung nicht genutzt werden. „Wie ein Fisch im Wasser braucht der Mensch schnelles Internet“, betonte Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnenmann. Er lobte das Engagement der Bürgermeister, die den Glasfaserausbau zur Chefsache erklärt hätten. Dass der Kreis den Anspruch habe, bereits in zwei oder drei Jahren eine Quote von 50 % zu erreichen, sei beispielgebend. Ziel der Glasfaserstrategie des Kreises Paderborn war es von Anfang an, dort, wo Telekommunikationsunternehmen nicht eigenwirtschaftlich ausbauen, mit Hilfe von Fördergeldern eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Landrat Manfred Müller und alle Bürgermeister der Kommunen des Kreises Paderborn nutzen gemeinsam die aus ihrer Sicht historische Chance, die unterversorgten rund 3500 Adressen (weniger als 30 Mbit/s) im Kreisgebiet an ein zukunftsfähiges Breitbandnetz anzuschließen. Investiert werden rund 71,6 Millionen €. Die Finanzierung der Wirtschaftlichkeitslücke erfolgt zu 50 % durch den Bund, zu 40 % durch das Land und zu 10 % durch den Eigenanteil der jeweiligen Kommune. Der symbolische Spatenstich fand nicht zufällig in Delbrück statt. Delbrück trage den größten kommunalen Eigenanteil aller Kommunen im Kreis Paderborn und habe zu Beginn die schlechteste Ausbauquote im Kreisgebiet gehabt, befand Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz. Er sei stolz darauf, dass so vieles bereits erreicht worden sei. „Sonst hätten wir die Herausforderungen der Corona-Zeit wie Home-Office und Home-Schooling nicht so gut hinbekommen“, so Peitz. Überall da, wo Menschen leben, wohnen und arbeiten, solle künftig Glasfaser verlegt werden. In Delbrück wurde der Förderbescheid des Landes offiziell übergeben und der Vertrag mit Deutschen Glasfaser unterzeichnet. Der Ausbau runde alle bisherigen Maßnahmen ab. Der Kreis Paderborn sei bereits jetzt führend in OWL. „Wenn jetzt noch der Ausbau im Außenbereich dazu kommt, ist er Vorreiter in OWL“, lobte Daniel Nölkensmeier, Dezernent der Bezirksregierung Detmold, der den Förderbescheid des Landes übergab. Lobende Worte gab es auch von Dr. Stephan Zimmermann von der Deutschen Glasfaser, die den Zuschlag für den Ausbau erhielt. Der Bau einer Datenautobahn sei ähnlich dem Bau einer richtigen Autobahn: Keine Baustelle laufe so wie geplant. Dafür brauche man starke Partner, die „wir hier mit Bund und Land, dem Kreis und den Städten und Gemeinden haben“, so Zimmermann. Glasfaser sichere effizientes Arbeiten ohne Stau im Internet, und dann habe man auch mehr Zeit für die Familie. Genau das bestätigt auch Alexander Sandmeier vom gleichnamigen Unternehmen Metall- und Maschinenbau Sandmeier GmbH in Delbrück-Westenholz. Er berichtete, dass sie große Datenmengen im Alltag versenden. E-Mails, die lange brauchen, Telefongespräche, die zwischendurch abbrechen, seien an der Tagesordnung „Glasfaser bietet uns Wachstum und ganz neue Möglichkeiten“, bekräftigte der Unternehmer. Hintergrund 2014 wurde ein Glasfaser-Masterplan für den Kreis Paderborn entwickelt, insbesondere mit dem Fokus auf die Gewerbegebiete und die dicht besiedelten Bereiche des Kreises. Um auch die ländlichen Bereiche im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse mit Glasfaser zu versorgen, starteten Bund und Land einige Förderprojekte im Breitbandausbau. Für die Antragstellung für das Bundesförderprogramm „weiße Flecken“ wurde vorab ein Markterkundungsverfahren durchgeführt. Dabei melden die Telekommunikationsunternehmen, welche Adressen im Kreisgebiet versorgt sind bzw. wo sie planen, in den nächsten 3 Jahren auszubauen. Im Anschluss an das Markterkundungsverfahren wurden gesammelt für alle kreisangehörigen Kommunen zwei vorläufige Förderanträge sowohl beim Bund (AteneKOM) als auch beim Land (Bezirksregierung Detmold) gestellt (Cluster West = Hövelhof, Delbrück, Salzkotten, Büren und Cluster Ost = Bad Lippspringe, Altenbeken, Paderborn, Borchen, Lichtenau, Bad Wünnenberg). Die Antragstellung für alle Kommunen leistete die Servicestelle Wirtschaft der Kreisverwaltung Paderborn. An den beantragten förderfähigen Adressen liegen Haushalte, Gewerbebetriebe, Schulen und auch Krankenhäuser, mit Ausnahme der Gemeinde Borchen. Hier wurden lediglich auf Wunsch der Gemeinde Schulstandorte erfasst. Der Ausbau im geförderten Projekt erfolgt im so genannten Wirtschaftlichkeitslückenmodell: Im Rahmen des Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sollte jenes Telekommunikationsunternehmen den Zuschlag erhalten, das u.a. den geringsten Förderbedarf für die Versorgung der Adressen ermittelt. Den Zuschlag erhielt die Deutsche Glasfaser. Auch der Mobilfunk kann perspektivisch von dieser Infrastruktur profitieren. Die fünfte Generation soll in Deutschland zum Standard werden. Dazu braucht es 5G-Funkmasten, die wiederum auf Glasfaserleitungen angewiesen sind.