Schlosspark




Über Jahrhunderte lag der Schlosspark im Dornröschenschlaf: Versteckt hinter einer Gräfte und später hohem Wildbewuchs öffnete er sich nur zum Pfarrfest oder Schützenbiwak. Ansonsten traute sich niemand so recht, das Areal zu betreten: Durch die intensiven Gespräche und die gute Kooperation mit der katholischen Kirche konnte erreicht werden, dass der Schlossgarten nunmehr für die gesamte Bürgerschaft tagtäglich zugänglich ist.
 

Vorher:


Der ehemalige Wirtschaftshof war eine unstrukturierte Grünfläche und einer öffentlichen Nutzung entzogen. Die Einzäunung entlang der Allee sowie die Hainbuchenhecken am Ehrenmal an der Schlossstraße unterstützen den Charakter eines Privatgeländes, das nicht zu betreten war. Ohnehin fehltejegliche Aufenthaltsqualität. Beginnend beim Materialmix der Wege, die nur nutzerorientiert auf die Gebäude zuliefen, über fehlende Sitzmöglichkeiten zum Verweilen bis hin zur vermoosten und verkrauteten Grünflächen.

Plan:



Von der Grundidee her handelt es sich um eine zeitgemäße Interpretation eines Barockgartens, der einerseits eine mit einer strengen Formensprache ein klare Struktur in die Freifläche bringt, andererseits die bisherigen Strukturen in das neue Gestaltungskonzept einbindet und nicht ausblendet. Damit entsteht kein künstlicher Garten, weil die natürlich gewachsenen Elemente, insbesondere Bäume und Sträucher überwiegend integriert werden können. Es wurde ein Gartenkonzept erarbeitet, dass sich an den historischen Bauten orientiert. Das Jagdschloss wird entsprechend der barocken Formensprache in den Mittelpunkt gestellt. Durch die Beseitigung von einigen wenigen standortfremden, störenden Bäumen wird zunächst der Blick auf das Fachwerkgebäude freigelegt. Diese alte Sichtachse und Auffahrt von der Allee zum Mittelrisalit des Jagdschlosses markiert zukünftig ein Band aus bunten Stauden. Beidseitig des Staudenbandes verläuft eine Rasenfläche, die wiederum durch eine Wegeführung eingefasst wird. Diese beiden Parallelwege verbinden den Platz vor dem Schloss und dem kleineren Platz an der Südseite des Geländes, wodurch trotz der geringen Grundfläche ein kleiner ungestörter Rundweg möglich wird. Vorhandene Bäume werden in die Wegefläche einbezogen. Der kleine südliche Platz bildet zunächst das Ende der Achse, bis die Öffnung zur Allee möglich wird. Von den Sitzbänken aus wird der gesamte Schlossbereich erlebbar sein. Zusätzlich wird dort ein Rokokobildstock (um 1730) aufgestellt.


Umbau:




Eröffnung:


Video-Clip von der Eröffnung: youtu.be/4tv_83xVlto

Ergebnis:


Mit einer klaren Wegestruktur, prägenden Parkbäumen, saftgrünem Rasen, einem einheitlichen Beleuchtungskonzept sowie vielen kleinen Accessoires und Nischen lädt das Areal zum erholsamen Verweilen ein. Es war schon ein Gänsehautgefühl, als die Schützenschar hier beim samstäglichen Biwak durch den Park auf das Jagdschloss zumarschierte. Die Mahn- und Gedenkstätte ist gefühlt in die Mitte gerückt und war am 16.11. prägender Teil der Landesfeier zum 100-jährigen Bestehen des „Volksbundes Deutscher Kriegsgräber“.

Die Nutzung der erneuerten Rasenflächen durch die Besucher des Gartens ist ausdrücklich erwünscht. Zwar hat der Schlossgarten auch einen repräsentativen Charakter, bietet aber insbesondere den Bürgern eine wohnungsnahe Erholung. Zu der Zielgruppe zählen nicht nur die Bewohner der Mehrfamilienhäuser, sondern auch die Bewohner und deren Angehörige des nahegelegenen Hauses Bredemeier, Caritas-Altenzentrum Hövelhof e.V. Ferner soll der neue Schlossgarten auch weiteren qualitativ hochwertigen lokalen und regionalen Kulturveranstaltungen dienen. Bislang war die Fassade des Jagdschlosses nur Kulisse für Fotoaufnahmen von z. B. Musikvereinen, weil entsprechende Freiflächen für Künstler und Besucher fehlen. Künftig soll der zentrale und intime Platzbereich vor dem Schloss für Kulturveranstaltungen nutzbar sein. Ein Kultursommer mit Konzerten von Hövelhofer Musikvereinen zählt ebenso zu den neuen Nutzungsmöglichkeiten wie die Präsentation von Kunst und Kultur. Bereits etabliert hat sich seit einigen Jahren der Nikolausmarkt am Jagdschloss, der wegen seinem besonderen Ambiente bekannt ist. Die Wegeführung des neuen Schlossgartens hat die Erlebbarkeit und Inszenierung des Marktes noch weiter gefördert.